"Alle großen Ereignisse der Geschichte sind nicht eigentlich von Völkern ausgeführt worden, sondern haben Völker erst hervorgerufen."
(Oswald Spengler >Der Untergang des Abendlandes<)
Völker aus dem Dunkeln der Zeit
Die Germanen und auch Kelten waren kein einheitliches Volk in einem einheitlichen Staat, wie es bei Römern und Griechen der Fall war. Es gab viele Stämme oder Gruppen. Sie gehörten alle der indogermanischen Sprachfamilie an und die Kultur dieser Stämme sind sich sehr ähnlich.
Hunde in der Mythologie
In der Mythologie der Germanen begleiteten ODIN (südgermanisch WOTAN) den obersten Gott aller Asen, zwei Wölfe GERI (der Gierige) und FREKI (der Heißhungrige) und schützten ihn vor allen Gefahren. Weiter gab es in der nordischen Mythologie den riesigen Hund der Totengöttin Hel, GARM. Dieser Hunde bewacht am Fluß Gjöll den Eingang zur Unterwelt Hel, wo er eine Grotte behaust. Auf jeden, der hier ankommt, stürzt sich Garm, vieräugig und mit blutiger Brust.
Kriegshunde
Neben den germanischen Spürhunden, die, so wird vermutet, auch zum Aufspüren von Menschenfährten erfolgreich eingesetzt wurden, handeln viele Überlieferungen auch von Kriegshunden. Von den Germanen wissen wir, dass große, doggenartige Hunde sie auf ihren Kriegszügen begleiteten und sich besonders bei der Verteidigung der Wagenburgen hervortaten. Als z. B. die Kimbern (lateinisch Cimbri; germanischer Stamm in Nordwest-Jütland) im Jahre 108 v. Chr. von den Römern geschlagen wurden, mussten die Römer noch einen harten Kampf mit den kimbrischen Kriegshunden bestehen. Diese verteidigten das Lager auch noch, als es von den Besiegten längst im Stich gelassen war. Schädelfunde großer Hunde lassen vermuten, dass es zur gleichen Zeit auch doggenartige Hunde in Mittelrussland, Polen und Mitteldeutschland gab. Die Auswertung von 23 Skelettfunden solcher Hunde in Reitergräbern des Mittelelbe–Saale-Gebietes ergab, dass es sich um 2 bis 3 Jahre alte Rüden mit einer Widerristhöhe zwischen 62 und 68 cm handelte. Die Vermutung liegt nahe, dass zum Kriegsdienst vor allem kräftige Rüden im gutem, leistungsfähigen Alter ausgewählt wurden. Es ist zu vermuten, dass diese später in ganz Europa so berühmt gewordenen Hunde Nachkommen der von den Kelten mit nach England und Irland eingeführten Hunde waren, die in ihrer neuen Heimat mit dem Irischen Wolfshund gekreuzt wurden
Herdengebrauchshunde
Der Reichtum und der Stand eines Kelten und Germanen wurden in der Anzahl seiner Rinder gemessen. Daneben wurden Schafe (Wolle) und Schweine gehalten.
Bei den Kelten und Germanen bestand eine Schweineherde gewöhnlich aus 25 - 30 Tieren mit 1 - 2 Ebern. Beaufsichtigt wurden die Herden durch Hirten. Die Leittiere trugen Glocken um den Hals, damit sich der Aufenthaltsort der Herde im Wald leichter feststellen ließ. Diese Form der Haltung bewährte sich anscheinend so gut, dass sie bis in die Neuzeit hinein praktiziert wurde. Aus alten Aufzeichnungen und Abbildungen kann entnommen werden, dass in späteren Zeiten auch Herdengebrauchshunde zur Beaufsichtigung der Herden eingesetzt wurden. Die Hundetypen dürften hier sehr unterschiedlich in ihrem Erscheinungsbild und ihrem Aufgabengebiet gewesen sein. Z. B. der Hundetyp Hirtenhund, der der Herde folgt, wo immer sie hinzieht und auch in der Lage ist diese vor Raubtieren erfolgreich zu schützen. Für den Zusammenhalt und das Treiben der Herde dürften deutlich kleinere Hunde zuständig gewesen sein. Die ersten Gebrauchshunde der Kelten und Germanen waren sicher Hof- und Hirtenhunde. Inwieweit sich z.B. heutige Rassen wie der Welsh Corgi auf diese alten keltischen Hütehunde zurückführen lässt ist nicht geklärt. Oft wurden aber auch Tiere verschiedener Hundetypen gekreuzt, um z.B. einen neuen Wesenszug zu gewinnen.
Jagdhunde
Der berühmteste Jagdhund am Mittelmeer der Antike dürfte wohl der Segusier der Gallier, benannt nach einem keltischen Volksstamm (Segusianer), gewesen sein.
Nach einem Bericht des Arrianus Flavius (dieser lebte im 2. Jahrhundert n.Chr. und stammte aus einer römischen Provinz in Kleinasien), zeichneten sich diese Keltenbracke durch eine besonders feine Nase, eine bedächtige Suche und durch langsames, aber leidenschaftliches Jagen mit hellem Hals aus. Die Kelten und später auch die Germanen, räumten ihren Jagdhunden stets eine bevorzugte Stellung ein. Der Diebstahl eines Segusier beispielsweise wurde streng bestraft. Erst im 7. Jahrhundert entstand dann vermutlich der Begriff "Bracke" ("bracco") für den segusischen Laufhund. In den alemannischen Gesetzen des 7. Jahrhunderts n. Chr. stoßen wir bereits auf eine Anzahl von Hundetypen, die zur Jagd eingesetzt wurden.
In einem Gräberfelde an der Drantumer Mühle fand man eine Vielzahl von Pferdegräbern aus dem 8. Jahrhundert, als Grabbeigaben waren den Pferden häufig Hunde beigefügt. Dieses Brauchtum war auf mehreren Gräberfeldern im mittel- und norddeutschen Raum zu finden. Dort wurden in 10 Gräbern jeweils zwei Hundeskelette gefunden. In einem dieser Pferdgräber hatte es den Anschein, als würden die Pferde mit hoch aufgerichtetem Hals in dem Grab sitzen und nach Norden schauen. Der Schädel des bei einem Pferdegrab gefundenen Hundes war ebenfalls nach Norden ausgerichtet. Eine Rassebestimmung anhand dieser Funde ist schwierig, die Knochenfunde deuten auf Hunde hin, die den heutigen Bracken und Laufhunden entsprechen.


